Wie sicher sind genomisch optimierte Zuchtwerte?

Zuchtwerte sind, ob es sich um genomisch optimierte Zuchtwerte handelt oder um traditionelle, eine Schätzung. Als Schätzung haben sie eine bestimmte Sicherheit. Diese Sicherheit wird üblicherweise in Form einer statistischen Kenngrösse (Bestimmtheitsmass, B) in Prozent ausgedrückt. Die Sicherheit trägt dem Umstand Rechnung, dass der Zuchtwert nicht auf Grund von einer unendlich grossen Anzahl Nachkommen berechnet, sondern nur auf Grund einer beschränkten Informationsmenge geschätzt werden konnte.

Ein anderes Mass, das die Sicherheit eines geschätzten Zuchtwerts beschreibt, ist das Vertrauensintervall 95%. Es drückt aus, in welchem Bereich der wahre Zuchtwert um den geschätzten Zuchtwert herum in 95 von 100 Fällen liegt.

Auch die Anzahl Töchter bei einer reinen Nachzuchtprüfung, mit der die gleiche Sicherheit erreicht werden würde, kann die Sicherheit eines Zuchtwerts indirekt veranschaulichen.

Die nachfolgende Tabelle gibt - am Beispiel des Zuchtwerts Milch - für ein vorgegebenes Bestimmtheitsmass das Vertrauensintervall und die entsprechende Anzahl informativer Töchter an.

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Zur Erläuterung

Der traditionelle Abstammungs-Zuchtwert eines Kalbes hat eine Sicherheit von ca. 35%, das entspricht der Sicherheit einer Nachzuchtprüfung eines Stieres mit 5 Töchtern. Wenn der Abstammungszuchtwert des Kalbes auf +800 kg geschätzt wird, liegt der wahre Zuchtwert in 95 von 100 Fällen in einem Bereich von +800 ±790kg, d. h. im Bereich von +10kg bis +1'590kg. 

In amerikanischen Untersuchungen wurde bereits beim Kalb für den genomisch optimierten Zuchtwert Milch eine Sicherheit von 70% erreicht. Diese Sicherheit kann für einen nachzuchtgeprüften Stier erst mit 24 Töchtern angegeben werden. Wird wiederum von einem geschätzten Zuchtwert von +800kg ausgegangen, liegt der wahre Zuchtwert bei diesem Bestimmtheitsmass in 95 von 100 Fällen im Bereich von +263kg bis +1'337kg. 

Bei der traditionellen Nachzuchtprüfung eines Swissgenetics-Stieres wird auf Grund des Prüfeinsatzes eine Sicherheit von 85 - 90% erreicht. Wenn wir von einer Sicherheit von 90 % ausgehen, entspricht dies 91 informativen Töchtern. Bei einem geschätzten Zuchtwert von +800 kg Milch liegt der wahre Zuchtwert im Bereich von +490 bis +1'110kg. Kommt der Stier zu einem Zweiteinsatz im grossen Stil, lässt sich der Zuchtwert mit einer Sicherheit von bis zu 99% schätzen. 

Schlussfolgerung

Genomisch optimierte Zuchtwerte eines Kalbes erreichen - je nach Merkmal und Anzahl nachzuchtgeprüfter Stiere, die zum Aufbau des Systems herangezogen wurden - eine 
Sicherheit von 50 bis über 70 %. Dies ist wesentlich höher als eine reine Abstammungsbewertung, aber nicht so hoch wie bei einem nachzuchtgeprüften KB-Stier.